Sachsen-Anhalt

Entdeckungen in Sachsen-Anhalt - von PresseNet / Ilona Elisabeth Schwartz

Sachsen-Anhalt ist durchzogen von Spuren seiner hohen kulturellen Bedeutung, die es schon im frühen Mittelalter hatte. Die Hauptstadt Magdeburg war ein bedeutsames Machtzentrum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Hier befindet sich auch das Zentrum der “Straße der Romanik”, die in Form einer Acht durch das Bundesland Sachsen-Anhalt führt. Die berühmte Ferienstraße wurde vom Europarat zur “Europäischen Kulturstraße” ernannt. Sie verbindet sakrale und klerikale Bauten, die vom 10. bis etwa zur Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden.

Der älteste Bischofsitz östlich der Elbe ist die Hansestadt Havelberg, die im Jahre 948 von Kaiser Otto I. mit dem Bistum Havelberg gegründet wurde. Die Hauptkirche des Bistums war der Havelberger Dom, der 1170 eingeweiht wurde. Sehenswert sind die Grisaille-Ornamentfenster im Innern des Domes und das Chorgestühl, das ungefähr aus dem 13. Jahrhundert stammt. Interessant sind auch das Beguinenhaus und die Havelberger Domschule im klassizistischen Stil. Das Prignitz-Museum in Havelberg zeigt Sammlungen aus der Historie der Region und zur Dombaugeschichte.

Im Norden der Altmark, am Ufer des gleichnamigen Sees, liegt Arendsee. Der See ist das tiefste natürliche Gewässer in Sachsen-Anhalt und ein beliebtes Ausflugs- und Ferienziel. Das Strandbad Arendsee verfügt über einen feinkörnigen Badestrand und eine Liegewiese mit Bäumen. Es gibt einen großen FKK-Bereich, und für zünftigen Badespaß sorgt eine 72 m lange Riesenrutsche.

Im Jahre 1184 wurde das Benediktiner-Nonnenkloster Arendsee gegründet und läutete gleichzeitig die Stadtgeschichte ein. Heute ist der ehemalige Konvent Schauplatz verschiedener Veranstaltungen wie z. B. Klosterkonzerte. So befindet sich im ehemaligen Kreuzgang eine Galerie, die wechselnde Ausstellungen zeigt. Außerdem ist im Hospital des Klosters ein Heimatmuseum eingerichtet. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die zweigängige Bockwindmühle aus dem Jahre 1731, die besichtigt werden kann.

Das Tal des “Großen Bruches” ist ein 45 km langes Feuchtgebiet, dass aus einem Urstromtal entstanden ist. Hier liegt die Gemeinde “Am großen Bruch”, ein Ortsteil der Gemeinde Hamersleben. Dort befindet sich das Kloster Hamersleben, eine Stiftung aus dem Jahre 1108. Der eigentlich barocke Orgelprospekt wurde neu errichtet, und die gesamte Orgel befindet sich noch im Wiederaufbau, der bald abgeschlossen sein wird.

Interessant ist die Stiftskirche St. Pankratius. die eine der bedeutendsten romanischen Anlagen im mitteldeutschen Raum darstellt. Mit dem Bau wurde 1111 begonnen, der sehenswerte Hochaltar stammt aus dem Jahre 1687. Ein Kuriosum ist das Telegrafenhaus im Stadtteil Neuwegersleben, das einst eine Station der Preußischen Optischen Telegrafenlinie Berlin-Koblenz (betrieben von 1833 bis 1848) war und weitgehend erhalten ist.

Im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt liegt Eckartsberga. Sie liegt an der Finne, einem Höhenzug und im “Naturpark Saale-Unstrut-Triasland”. Zum Ort gehört die Höhenburg “Eckartsberga”, oder auch Eckartsburg. Stadt wie Feste wurden wohl gleichzeitig, um das Jahr 966, gegründet. Der Ort taucht anno 1073 zum ersten Mal in einer Urkunde auf. Im Mittelalter wurden in Eckartsberga Münzen geprägt und es gab eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Stadt zählt auch zu den Stationen des mitteldeutschen Pilgerweges. Einmalig in Deutschland ist die Mühle von 1831 auf dem Sachsenberg, die anstatt der üblichen Flügel ein Windrad mit zehn Speichen hat und noch völlig funktionsfähig ist.

Im Biosphärenreservat Mittelelbe liegt die Stadt Wörlitz am Wörlitzer See. Der Ort ist auch eine Etappe der “Oranierstraße”, einer Ferienstraße, die 2.400 km lang ist und neun deutsche Bundesländer sowie die Niederlande durchquert. Sie verbindet Orte miteinander, die in engem Bezug zum Haus “Oranien-Nassau” stehen. Am 13. November 1004 erscheint die Gemeinde erstmals auf einer Urkunde, und wird im Jahre 1440 als Stadt erwähnt. Berühmt ist der “Wörlitzer Park” oder auch “Wörlitzer Garten”, eine Anlage, die als Höhepunkt des “Dessau-Wörlitzer Gartenreiches” gilt. Dieses ist eine Kulturlandschaft mit Bauten und Landschaftparks in englischem Stil und von europaweiter Bedeutung. Geschaffen wurde dieses einzigarte Landschaftskunstwerk im 18. Jahrhundert unter der Regentschaft Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessaus. Namhafte Personen dieser Zeit folgten dem Ruf des Regenten und kamen nach Wörlitz, darunter Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul und Alexander von Humboldt.

Einen Besuch wert ist auch das Wörlitzer Schloss, eine Anlage im klassizistischen Stil, die von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff erbaut wurde. Ein Naturerlebnis der besonderen Art ist ein Besuch der “Falknerei Wörlitzer Park”. Hier gibt es täglich Flugschauen mit Falken, Bussarden, Adlern und sogar Geiern. Als Segelflug-Spezialisten können eine Schnee-Eule und ein Uhu bewundert werden.

Neben den historischen Zielen ist Sachsen-Anhalt natürlich auch für naturbegeisterte Urlauber interessant. Gut angelegte Rad- und Wanderwege sind ebenso selbstverständlich wie Freizeitangebote für die ganze Familie. Auch die Sportfans werden sich hier bei den zahlreichen breitgefächerten Angeboten zu Wasser und zu Land hervorragend austoben können.

Der Alte Dessauer
Eine historische Berühmtheit der Region Sachsen-Anhalt ist Leopold I., Fürst von Dessau (1676-1747), der den Beinamen “Der Alte Dessauer” erhielt. Er gilt als der erste nennenswerte preußische Heeresreformer und war einer der populärsten preußischen Generäle überhaupt. Schon sehr jung, im Alter von nur 17 Jahren, wurde Leopold I. Oberst eines Regiments und fast gleichzeitig regierender Fürst.

Seine Mutter führte vorerst die Staatsgeschäfte, selber übernahm er die Regierung im Jahre 1698. Gegen den Widerstand der Eltern heiratete er auch 1698 eine Bürgerliche, die Apothekerstocher Anna Luise Föhse. Sie wurde vom Kaiser zur Reichsgräfin erhoben und führte die Staatsgeschäfte, wenn ihr Mann auf Feldzügen war.

Leopolds eigentlicher Verdienst lag in den Neuerungen, die er in der Armee einführte, so wie den Gleichschritt. Er ließ die bis dahin hölzernen Ladestöcke durch metallene ersetzen. Seine militärischen Leistungen sind zahllos, er wurde zum preußischen Generalfeldmarschall ernannt und erwarb sich das Vertrauen von Friedrich Wilhelm I. Seine Reformen waren es, die die preußische Armee zur schlagkräftigsten Europas machten. Reformationen führte er auch im Steuerwesen und in der Infrastruktur durch, auch sorgte er für die Ansiedlung von Manufakturen.

Noch mit 70 Jahren errang er den bedeutendsten Sieg seiner Karriere in der Schlacht von Kesselsdorf. Durch diesen Sieg wurde der Zweite Schlesische Krieg vorzeitig beendet. Der Alte Dessauer zog sich danach in das Privatleben zurück. Nachfolger des Fürsten wurde sein Sohn, Leopold II.

Um die Person des Alten Dessauers ranken sich viele Legenden und Anekdoten. So soll er einigen jammernden Marktfrauen doch noch zu einem guten Verdienst verholfen haben, indem er deren nicht verkauftes Geschirr unter den Hufen seines Pferdes in einen Scherbenhaufen verwandelte, den er ihnen allerdings auf Heller und Pfennig vergütete. Auf diese Art und Weise konnten die Händlerinnen doch noch mit voller Börse heimgehen. Es heißt auch, er habe vor der berühmten Schlacht von Kesselsdorf Gott gebeten, dass er, wenn er ihn schon nicht unterstützen wolle, auch den Feinden nicht beistehe - also sich doch bitte heraushalten möge.

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